Dienstag, 25. August 2020

Fünf Länder und die Ernüchterung

Dienstag, der 25.08.2020

Was hat denn der Herr da oben bitte nicht verstanden ? Es regnet bereits beim Aufstehen ununterbrochen - und das bleibt auch bis 14.00 Uhr so. Die 384 km auf der Autobahn im Regen ist keine Freude. Ich überlege mir das Mopped abzustellen, ein anderes Hobby zu suchen - what ever... 
Gegen 13.30 Uhr erreiche ich den einzigen geplanten Höhepunkt des Tages: Leeds Castle. https://de.wikipedia.org/wiki/Leeds_Castle . Leider habe ich keine Eintrittskarte gebucht und ehrlich gesagt hat die Regenkombi das erste Mal ihren Nutzen völlig aufgegeben. Ich bin pitschnass und fordere den letzten positiven Gedanken in mir: Ab nach Frankreich. Aber nicht einfach so. Der Eurotunnel und dessen Transportmittel war fest eingeplant. Die Alternative bietet natürlich die Fähre Dover - Calais und kostet mit 45-50 € die Hälfte von meinem 90€ Ticket. Ich will es schnell und unkompliziert. So ist es auch. Ich kaufe ein Ticket (Achtung, wenn man nicht vorgebucht hat, braucht man die Mithilfe des Personals) und reihe mich ein. Passkontrolle in England - Check. Fragen nach Corona oder Quarantäne - Fehlanzeige. Passkontrolle Frankreich - Durchwinken. Denkt ihr auch manchmal: Wenn ich jetzt die 40 Liter Koffer voller illegaler Sachen geschmuggelt hätte ? Egal, ich schweife ab. Danach einfach in den Zug einfahren. Die Motorräder kommen zu letzt - das bin ich gar nicht gewohnt. 40 min Zugreise, ohne Verzurrung der Maschinen, ich stehe die Bahnfahrt daneben. Und schwups erreiche ich das 4. Reiseland Frankreich. Und das bei herrlichen Sonnenschein. Alles vergessen und die Freude des Motorradfahrens ist wieder da - war auch nie wirklich weg. 😎Nach ein paar Kilometer erreiche ich Belgien und ein kleines Highlight zur Übernachtung: Das Treck Hostel. Übrigens mache ich hier eine Stunde miese, da wir wieder "Normalzeit" bekommen. Im Hostel Park sind mehrer Wohnwagen als Schlafgelegenheit umfunktioniert, oder eben ihrer ursprünglichen Nutzung zugeführt worden. Ich habe den "MINI" - reicht für diese Nacht. Ich beziehe erst mal mein Domizil und fühle mich gleich wohl. Alle total nett. Ich muss Frühstückszeiten und Duschzeiten angeben, gut organisiert. Ich benötige für mein Luxusabendessen (die Alu Schale) noch heißes Wasser. Die nette Frau hinter den Tresen (macht Rezeption, Biergarten und Verkauf, und und...) sagt: Sieht nach Katzenfutter aus und grinst.
Einen Gruß versende ich noch nach Dresden bzw. Heidenau. Der K60 Scout hat unglaubliche 14500 Km runter und fängt jetzt bei 90 an zu "singen". Man sagt auch Folgekosten des Urlaubs.😂

 

















Montag, 24. August 2020

Überraschend......Wales !

Montag, der 24.08.2020

Falls Petrus von da oben mitliest: Ich habe die Sommerhandschuhe nicht nur so mitgenommen. Ich würde sie gerne einmal von Anfang bis Ende anbehalten. Es gab zwar nur eine Stunde Regen, aber sonst bei max 20 Grad, ok. Mit Chewbacca als Copilot sollte nichts schiefgehen.😁

Das Frühstück ist Weltklasse und die Dame des Hauses überaus bemüht, aber nie aufdringlich. Eigentlich "Wie bei Mutti" .Das große und komfortable Zimmer verlasse ich nur ungern. Es hat an nichts gefehlt: Diesmal auch nicht an Steckdosen. Dazu gleich mein Praxistipp. Ja, Great Britain hat auch 220 Volt, aber man bekommt den Stecker nur in die Steckdose, wenn man die Sicherung, also dieses viereckige, vorstehende Teil reinsteckt. Foto anbei. Es reicht also ein Adapter oder dieser Zwischenstecker.

Meine Reise setze ich nach Gwynedd fort, zum Caernarfon Castle (https://de.wikipedia.org/wiki/Caernarfon_Castle - ist wirklich interessant). Ich fahre die Autobahn um am Ende des Tages Zeit für einen Überraschungsbesuch zu haben, dazu später mehr. Ich erreiche auch somit fast den westlichsten Punkt der Insel.

Das Castle ist unglaublich groß und ich habe Mühe die ganze Burgruine aufs Foto zu bekommen. Ein paar Schnappschüsse hier und da und sogar Zeit für ein Eis habe ich mir gegönnt😂
Ich liege gut in der Zeit und fahre in Richtung Brecon zu meinen neuen Freunden seit der Fährüberfahrt. Ihr erinnert Euch. Irgendwie habe ich mich die ganze Zeit gefragt, hat da jetzt jemand angerufen und Fragen gestellt, oder wollte jemand den Olli mal sehen? Die Fahrt dort hin ist aufregend: Schöne kleine Strassen mit vielen Kurven, als wenn sie jemand für Motorradfahrer gemacht hat. Dementsprechend kommen mir auch viele solcher Gattung entgegen. 
Ich merke dann gerade, wie schön Wales eigentlich ist und bin positiv überrascht. Ein wenig Probleme habe ich schon Andrew zu finden, aber mit Charme und der Mithilfe von Einheimischen (I´ll give him a call) treffen wir uns und die Freude ist groß. Seine Nachbarin hatte sich echt Sorgen gemacht und war erleichtert, dass es mir gut geht. Bei solchen Szenen ist "social distance" echt schwierig. Ich lehne das Angebot, die Nacht doch dort zu verbringen ab, ich hatte ja den Hot Tube gebucht. Ich verspreche, nach Wales wiederzukommen. Julie erzählt, dass einige Fähren mit deutschen Motorradfahrern wieder mit selbiger nach Hause geschickt  wurden, weil sie die Quarantäne nicht nachweisen konnten.
Ich suche noch um 19.00 Uhr mein Hotel und komme mit Hilfe des Tankwartes und seiner Recherche an. Ich habe ein ganzes Haus gemietet. Ok, unten ist Dusche und oben eine klein Kochnische mit großen angehängtem Raum.
Die "rot markierten Schafe" bilden einen tollen Kontrast zur Landschaft.

Was sagt die BMW-Uhr ? 2998 km bis jetzt. Macht einen Durchschnitt von 499,6 km pro Tag.























Sonntag, 23. August 2020

Von Nord nach Süd...und das Ende von Scotland

Sonntag, 23.08.2020

Ist "Linksfahren" eigentlich kompliziert ? Nun, auf Zypern beim Autofahren ging dies auch problemlos, außer wenn man mal von der Tankstelle runterfährt und auf der falschen Seite landet.😅 Als Motorradfahrer ist es sogar noch einfacher. Wie schnell sich Körper und Geist an die andere Seite (nein, nicht die der Macht) einstellt, ist fast unglaublich. Natürlich bleiben ein paar Schnitzer nicht aus.

Meine heutige Tour umfasst 411 km und führt von Tyndrum nach Lancaster. Auf dem Campingplatz unterhalte ich mit einer Frau, die zeigt was genau gegen diese Midges hilft. Ich verlasse also das schöne Schottland. Das Bild dazu sagt wohl alles. Der Tag beginnt vielversprechend ohne Regen - die Freude währt aber nicht lang. Bis 14/15 Uhr gibt es immer wieder Regenschauer mal stärker, mal schwächer. 11,5 Grad sagt das BMW-Cockpit - das ist kälter als auf Island...Das Thermometer erreicht in der Spitze 20 Grad, aber immer erst zum Abend hin. Ich komme gut durch, schaue mir noch das Renaissanceschloss  "Drumlanrig Castle" an und überlege, ob ich hier einziehe. Endlich Platz und 2km von der Strasse bis man zum Schloss kommt - das nenne ich Standesgemäß. Ich komme noch durch Glasgow (Newark-Castle), Dumfires und schließlich Lancaster. 
"Lass mal von Dir hören" - na ich hoffe nicht, dass da noch Post vom Blitzer kommt. Die blitzen übrigens immer von hinten - Motorradfahrer aufgepasst😉
Es ist unglaubliche 16.30 Uhr so früh war ich wohl noch nie im Hotel. Das Zimmer ist unglaublich groß, die Vermieter total nett. 9,4 auf der Booking.com-Scala
sprechen für sich. Frühstück ist auch dabei. Ich folge der Empfehlung meiner Vermieterin und verbringe noch 2 Stunden am windigen Strand.
















Samstag, 22. August 2020

Auf und Ab – Das Wechselbad der Gefühle

Samstag, der 22.08.2020

Ich werde um 6.30 Uhr geweckt – Starkregen, na danke ! Doch um 07.45 Uhr sitze ich bei Sonnenschein im Frühstücksraum bei meinem Vermieter Aidan. Alles wird gut, glaube ich. Die ersten Kilometer der heutigen Tour führen weiter auf der NC 500. Der Regen setzt ein. Ich sage mir immer: Alles was nass wird, wird auch wieder trocken. Ich folge den kleinen Strassen (hier ugs. Single-Roads) auf denen man sich mit dem Gegenverkehr einig werden muss. An einigen Burgen und Schlösser, die ich unterwegs „so mitnehme“ mache ich Fotostop. Doch dann kommt das eigentliche Highlight des heutigen Tages:

Als begeisterter Motorradfahrer bin ich der Meinung, einige Strecken „muss“ man einfach mal gefahren sein. Dazu gehört die LGKS (Ligurische Grenzkampstrasse), die Sprengisandur (Querdurchfahrt in Island von Nord nach Süd), The Top of the World Highway (Alaska/Kanada), den Krawattenknoten auf Mallorca  und die S-Kurven zwischen Jerxheim und Jrxh-Bhf.

Und eben die Applecross Route (https://www.myhighlands.de/bealach-na-ba/). Diese führt auf einer Stichstrasse der NC500 nach Applecross. Der Wegweiser ist mit Aufklebern zugekleistert. Diese Single-Road ist Fahrvergnügen pur und bietet spektakuläre Aussichten und das Arrangement zwischen Auto, Camper und Radfahrer ein interessantes Intermezzo und das ausgerechnet bei herrlichen Sonnenschein. Ich besuche das "Eilean Donan Castle" bekannt aus dem Highlander - Film mit Christopher Lambert. 

Ich unterschätze wieder einmal die 410 km des heutigen Tages. erschöpft vom ewigen aus- und anziehen der Regenkombi und der lange Fahrstrecke bei Regen und Nebel, komme ich auf dem Campingplatz an. Mich hat damals schon eine dieser TUB-Röhren angesprochen: Also gebucht. Schön gemütlich hier. Strom, Fernseher und schlechtes Internet vorhanden – was will man mehr ? Gutes Internet ? Das Leben ist, laut Forrest Gump, ja wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was drin ist. Deshalb habe ich immer einen Schlafsack dabei. An mitzubringende Bettwäsche habe ich nämlich nicht gedacht. 
Zu guter Letzt, darf ich euch noch meine tausend neuen Freunden vorstellen – auf Facebook ? – natürlich nicht. Sie nennen sich Midges und sind Stechmücken. Es gibt allerlei Abhandlungen über diese lästigen Tierchen – und ich spreche ich nicht von ein paar kleinen Mücken. Es sind regelrecht Schwärme und so penetrant, dass ich gestern meine Mahlzeit lieber im Quartier eingenommen habe, als am lauschigen Hafen in Ullapool. Selbst das kurze Helmabnehmen wird zur Qual. Menschen laufen hier mit Kopfnetzen herum – weil sie es nicht mehr aushalten.
Der Mensch verspürt irgendwann Hunger, warum sollte dies bei mir anders sein ? Die bei unseren Motorradfahrer allseits beliebten Alu-Schalen wollen aber warm gemacht werden. Ein wenig im Packmaß reduziert und rein in den Wasserkocher😅